Auf dem höchsten Punkt des südöstlichen Viertels der mittelalterlichen Stadt Wiesloch stand der Freihof, ein stattlicher Herrenhof mit einer eigenen Schutzmauer aus Stein rings um das gesamte Hofareal. Er stellte im Spätmittelalter ein eigenständiges Befestigungswerk innerhalb der Wieslocher Stadtmauer dar. Heute ist der Freihof ohne eigene Schutzmauer in die Stadt integriert und von allen Seiten gut zugänglich.
Der Freihof war mit seinem markanten Treppengiebel im Stadtbild früher mehr bestimmend als heute (siehe oben Stich). Da er sich mit 135,5 m über dem Meeresspiegel auf dem bis zum Ende des 18. Jhs höchsten bebauten Punkt der Stadt – noch 6 m höher als die frühere mittelalterliche Burg – befand.
Heute nimmt der Freihof, gelegen an der Fußgängerzone, immer noch eine bedeutende geschichtliche Rolle in der Altstadt ein.
Der Zeitpunkt der Errichtung des Freihofs mit seinen markanten Treppengiebeln dürfte um 1300 liegen. Dies zeigt der bauliche Befund wie Fenstergewände und Buckelquader an den Ecken. Als Erbauer kommen wohl nur die edelfreien Herren von Wiesloch in Frage, da neben diesen zu jener Zeit kein anderes wohlhabendes Geschlecht in Wiesloch bekannt wurde. Die erste schriftliche Erwähnung des Freihofs datiert aus dem Jahre 1340. Damals nahm Reinhard von Sickingen “seinen Hof zu Wiesenloch” von dem Erzstift Mainz als Lehen. Das links von der Eingangstür angebrachte Wappen der Herren von Sickingen mit den 5 Kugeln stammt aus dieser Zeit. Zu dem Zeitpunkt war der Freihof, der auf der höchsten Stelle der Altstadt lag, stattlicher Herrenhof mit eigener Schutzmauer aus Stein rings um das gesamte Hofareal. Innerhalb dieser Mauer siedelten sich aus Sicherheitsgründen jene Bauern an, die an die Besitzer des Freihofs fron- und abgabepflichtig waren. Somit war der Freihof ein eigenständiges Befestigungswerk innerhalb der Wieslocher Stadtmauer, denn der damalige Besitzer des Freihofs Schwarz Reinhard von Sickingen wurde schon im Jahre 1425 von allen Abgaben an den Herzog freigesprochen (daher der Name des Gebäudes). Wann und wie die von Sickingen den Hof erwarben, ist unbekannt.

